von Kira Schlegel

Stressmanagement in besonderen Zeiten

Gerade in Zeiten von Corona häufen sich die Herausforderungen. Wir befinden uns in einer sehr besonderen Situation, in der gewohnte Abläufe und Routinen nicht mehr zum Tragen kommen. Gleichzeitig paaren sich Sorgen über die Wirtschaftlichkeit des eigenen Unternehmens mit individuellen Sorgen, die viele von uns betreffen. Während einige Unternehmen darum kämpfen, genügend Aufträge zu bekommen, müssen andere auf eine besonders hohe Nachfrage mit neuen Ressourcen reagieren. Gleichzeitig schüren Kurzarbeit und Veränderungen in der Arbeitswelt auch Ängste, auf die wir angemessen reagieren müssen. Wir wissen kaum, wie die Lage in einem Monat sein wird. Ein Gefühl, das mit Ungewissheit und Machtlosigkeit einhergehen kann.

Der häufig geltende Mythos, Stress resultiere einzig aus Überlastung oder Überarbeitung, ist überholt. Besonders in der aktuellen Situation zeigt sich, dass das ständige Reagieren auf neue äußere Umstände sehr kräftezehrend sein kann. Stress ist eine psychosoziale Belastung, bei der stressauslösende Bedingungen, sogenannte Stressoren, zu einem belasteten und angespannten Zustand führen. Dieser kann sich ausdrücken in emotionalen Symptomen, wie zum Beispiel Ärger, Angst, Aggressivität oder Hilfslosigkeit, als auch in physischen Symptomen, wie beispielsweise Herzklopfen, Appetitlosigkeit, Grübeleien und Schlaflosigkeit. Umso wichtiger ist es, besonders jetzt einen konstruktiven Umgang mit Stress zu finden. Deshalb möchten wir Ihnen ein paar Impulse zum Stressmanagement in besonderen Zeiten mitgeben.

 

Konkrete Hilfsmaßnahmen bei Stress

1. Greifen Sie auf bereits vorhandene Ressourcen zurück

Sicher waren Sie schon einmal in einer besonders herausfordernden Situation. Meist lernen wir in diesen Situationen Mechanismen, die uns helfen, diese Situation konstruktiv zu überstehen. Auf dieses Wissen können Sie nun zurückgreifen.

  • Erinnern Sie sich an eine Zeit, in der Sie einer Herausforderung begegnet sind.
  • Welche Strategien haben Sie genutzt, um konstruktiv mit der Situation umzugehen?
  • Können Sie die Strategien in gleicher oder ähnlicher Form auch in dieser Situation nutzen?

In den meisten Fällen ist es möglich, Ressourcen aus einer früheren Situation auf die aktuelle Herausforderung zu beziehen. Diese Ressourcen können problemorientierter, emotionaler, aber auch kognitiver Natur sein.

Problemorientierte Ressourcen: Wie sind Sie Herausforderungen in der Vergangenheit angegangen? Was können Sie tun, um die Herausforderung proaktiv anzugehen?

Emotionale Ressourcen: Werden Sie sich bewusst, was Sie an der Situation stresst und versuchen Sie, sich von dem Gefühl zu distanzieren. Ist die Situation beispielsweise sehr hektisch, dann atmen Sie tief durch und gehen Sie die Aufgabe bewusst etwas entschleunigter an.

Kognitive Ressourcen: Sehen Sie die Herausforderung als Chance und machen Sie sich bewusst, dass Sie in dieser Situation wachsen können. Finden Sie Humor in der Situation. Versuchen Sie, nicht so streng mit sich selbst zu sein.

 

2. Soziale Unterstützung & Delegation von Aufgaben

Herausfordernde Situationen bergen die Gefahr, dass wir uns allein vor einem großen „Verantwortungsberg“ fühlen. Gerade in diesen Situationen ist es aber besonders wichtig und hilfreich, sich mit anderen zusammen zu tun.

Wer kann Sie in dieser Situation vielleicht unterstützen? Gespräche bieten die Möglichkeit einer neuen Perspektive. Oft erkennen wir im Austausch mit Anderen neue Lösungswege. Der direkte Kontakt zu geeigneten Gesprächspartnern verringert die Belastung, die auf Ihren Schultern liegt.

Vielleicht können Sie zusätzlich bestimmte Verantwortungsbereiche oder Aufgaben an Kolleginnen oder Kollegen abgeben. Besonders jetzt ist es wichtig, schrittweise Herausforderungen anzugehen und sich auch mal eine Pause zu erlauben. Delegation von bestimmten Themen kann Ihnen helfen, auch einmal abschalten zu können.

 

 3. Setzen Sie sich konstruktiv mit der Herausforderung auseinander

Gerade in dieser besonderen Phase entfaltet sich Stress auf sehr subtile Weise. Sie begegnen verschiedenen Herausforderungen, die Sie so in dieser Form vielleicht noch nicht erlebt haben. Gleichzeitig gibt es viele kleine Rädchen, an denen Sie als Führungskraft drehen müssen. Daher ist es umso wichtiger, sich bewusst darüber zu sein, welchen Herausforderungen Sie gerade begegnen und wie sich diese auf Ihr Empfinden auswirken.

Im ersten Schritt ist es hilfreich, die eigenen Gedanken, Sorgen oder Herausforderungen niederzuschreiben. Dies macht die Herausforderung greifbarer und bietet die Möglichkeit, Probleme konstruktiv zu lösen. Im zweiten Schritt sammeln Sie konkrete Maßnahmen, mit denen Sie die einzelnen Herausforderungen schrittweise anpacken. Hier gilt: eins nach dem anderen. Schreiben Sie sich To Do-Listen. Setzen Sie sich Zwischenziele und Deadlines. Der Fokus auf einzelne Herausforderungen schützt vor dem „großen Verantwortungsberg“ und hilft, die Themen strukturierter und fokussierter anzugehen. Im dritten Schritt können Sie sich dann einen konkreten Plan zurechtlegen, wie und in welcher Reihenfolge Sie die Herausforderungen bewältigen.

In der Psychologie sprechen wir von zwei Möglichkeiten, mit Stress umzugehen:
Erstens, die Ansprüche zu verringern, also Stressoren, wenn möglich, zu eliminieren und, zweitens, Ressourcen, die den Umgang mit dem Stress erleichtern, zu fördern.

Auch wenn es nicht in Ihrer Macht liegt, die aktuelle Situation zu ändern, so gibt es Wege, zuversichtlicher damit umzugehen. Dazu möchten wir Sie ermutigen.

Gern möchten wir Ihnen auch unsere persönliche Unterstützung anbieten. Zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren, auch wenn es nur um ein offenes Ohr geht.
Wir werden diese schwierige Zeit gemeinsam meistern.

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Bild: Elias Sch. auf Pixabay

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