von Anja Mertelsmann

Corona-Pandemie und Home-Office/Mobile Arbeit

 

Anja Mertelsmann, Geschäftsführerin des AGV Harz e.V., beantwortet hier einige Ihrer Fragen aus der betrieblichen Praxis in der Corona-Pandemie. Die Mitgliedsunternehmen können im LogIn-Bereich das ausführliche Interview unter "Handreichungen für Unternehmen in der Corona-Pandemie" lesen.  

Frage: Frau Mertelsmann, wir möchten uns dem Thema Home-Office/Mobile Arbeit widmen. Wir verfolgen in den Medien, dass ein Anspruch gesetzlich verankert werden soll. Wie ist heute die Rechtslage und wie können Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Pandemie Home-Office /Mobile Arbeit nutzen?
Wenn wir mit Geschäftspartnern telefonieren, hören wir oft den Satz: Ich bin im Home-Office. Ich habe meinen Laptop mitgenommen und arbeite von zuhause, da wir das Team in zwei Gruppen eingeteilt haben. Was ist das eigentlich rechtlich?

A.M.: Meistens wird dieser Arbeitnehmer nicht tatsächlich im Home-Office arbeiten, sondern pandemiebedingt kurzfristig und vorübergehend Mobile Arbeit leisten.

Das klassische Home-Office - im gesetzlichen Terminus „Telearbeit“ - setzt voraus, dass der Arbeitgeber unter Gesichtspunkten der Arbeitsstättenverordnung einen Telearbeitsplatz im Privatbereich des Arbeitnehmers eingerichtet hat, § 2 Abs. 7 ArbStättV. Dazu gehört:

  • Ein vom Arbeitgeber fest eingerichteter Bildschirmarbeitsplatz
  • unter Berücksichtigung der Vorgaben des Arbeitsschutzes
  • im Privatbereich des Beschäftigten,
  • für die der Arbeitgeber eine mit dem Beschäftigten vereinbarte Arbeitszeit und die Dauer der Einrichtung festgelegt hat
  • und der vom Arbeitgeber mit Mobiliar, Arbeitsmittel einschließlich der Kommunikationseinrichtungen ausgestattet wurde.

Mobile Arbeit hingegen unterliegt grundsätzlich nicht der Arbeitsstättenverordnung, da der Arbeitnehmer an diversen Orten eine Arbeitsleistung erbringen kann. Das kann natürlich auch der Privatbereich sein, was bei vorübergehender Arbeit am Laptop von Zuhause aus in der Corona-Pandemie der Fall sein wird. Ist der private Arbeitsplatz der ständige für die mobile Arbeit, ist auch die Arbeitsstättenverordnung anwendbar.

Frage: Letztens meinte ein Arbeitnehmer, er würde jetzt im Home-Office bleiben, weil er ja aufgrund seiner Pollenallergie zur Risikogruppe im Hinblick auf eine COVID-19 Erkrankung gehöre. Der Betriebsarzt sagt, dass die Pollenallergiker nicht zu den besonderen Risikogruppen gehören. Muss ich akzeptieren, dass der Arbeitnehmer im Home-Office arbeitet, obwohl ich das nicht möchte?

A.M.: Nein! Der Arbeitsort wird von Ihnen als Arbeitgeber festgelegt und der Arbeitnehmer fehlt unentschuldigt, wenn er nicht zur Arbeit kommt. Sie müssen ihn daher wegen unentschuldigten Fehlens abmahnen. Und ganz wichtig: sie dürfen auch keine Arbeitsleistung annehmen und/oder diese vergüten. Von Ihnen ist ein extrem konsequentes Verhalten gefordert. Sie sollten dem Arbeitnehmer schriftlich untersagen, im Home-Office zu arbeiten und ihn dabei darauf hinweisen, dass Sie die Arbeitsleistung nicht als vertraglich geschuldete Leistung annehmen. Darüber sollten Sie auch die Kollegen/direkten Vorgesetzten informieren, die den Arbeitnehmer nicht im Home-Office kontaktieren und erst recht keine Arbeitsleistung abfordern dürfen.

Weiter werden von Anja Mertelsmann Fragen beantwortet,

ob der Arbeitgeber einfach für einen Arbeitnehmer Home-Office/Mobile Arbeit anordnen kann, wie ein solches Einverständnis erteilt werden kann, wie ggfs. ein Betriebsrat einzubinden ist,  was zu tun ist, wenn der Arbeitnehmer sich weigert, welche Rechte Mitarbeiter haben, die zu einer Corona-Risikogruppe gehören, ob Sie als Arbeitgeber dann ein Home-Office/Mobile Arbeit ermöglichen müssen, …

 

Bild: Pexels auf Pixabay

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