Arbeitszeiten in Deutschland

IAB-Studie

IAB zur Arbeitszeitentwicklung im Jahr 2023 sowie Prognosen für 2024

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat in seinem Kurzbericht (06/2024) aktualisierte Zahlen zur Arbeitszeitenwicklung im Jahr 2023 sowie Prognosen für das Jahr 2024 veröffentlicht. Trotz der immer noch angespannten wirtschaftlichen Lage rechnet das IAB für das laufende Jahr 2024 mit einer Zunahme der Jahresarbeitszeit um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit steigt die Jahresarbeitszeit wieder, nachdem sie in den letzten zwei Jahren leicht gesunken war. Dennoch liegt die durchschnittliche Arbeitszeit mit 1.309 Stunden immer noch deutlich unter dem Stand von vor der Pandemie.

In der letzten Prognose 2023 war das IAB noch von einer Steigerungsrate von 0,8 Prozent für das Jahr 2024 ausgegangen. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen, das Produkt aus der durchschnittlichen Arbeitszeit und der gesamten Erwerbstätigenzahl, nimmt im Jahr 2024 voraussichtlich um 0,9 Prozent zu und beträgt 62,19 Mrd. Stunden. Das Arbeitsvolumen dürfte somit im kommenden Jahr knapp über dem Niveau vor der Pandemie liegen.

Grund für den Anstieg ist vor allem die weiter steigende Zahl der Erwerbstätigen, die die bestehenden Arbeitszeitrückstände kompensiert.

Einzelne Arbeitszeitkomponenten im Überblick:

  • Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit aller Beschäftigten wird im Jahr 2024 voraussichtlich unverändert auf dem niedrigen Niveau von 30,4 Stunden verbleiben. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit aller in Vollzeit beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wird im Jahr 2024 unverändert bei 38,2 Stunden liegen und somit vom 2 Niveau der letzten zehn Jahre nicht abweichen.
  • Die durchschnittliche Arbeitszeit der Teilzeitbeschäftigten wird voraussichtlich leicht um 0,1 Stunden auf rund 18,4 Stunden steigen. Nach Prognose des IAB wird die Teilzeitquote in diesem Jahr um weitere 0,3 Prozent auf 39,3 Prozent ansteigen.
    Die Anzahl der Überstunden wird sich laut des IAB auch im laufenden Jahr weiter verringern. Für das Jahr 2024 prognostiziert das Institut einen Rückgang der bezahlten Überstunden von 0,7 Stunden auf insgesamt 12,5 Stunden pro Beschäftigten pro Jahr sowie eine Verringerung der unbezahlten Überstunden um 0,9 Stunden auf 17,5 Stunden. Es dürfte also ein stärkerer Rückgang vorliegen als im letzten Jahr für 2024 noch vermutet. Grund für den erneuten Rückgang ist laut Experten die schwächere Auslastung der Betriebe.
  • Die Saldenveränderung der Arbeitszeitkonten wird laut Prognose 1,5 Stunden betragen. Somit dürften sich die Konten im Jahresdurchschnitt nach einem Rückgang im letzten Jahr erneut füllen.
  • Im Zuge des Wirtschaftsabschwungs im Winterhalbjahr hat die Kurzarbeit wieder zugenommen. Im Jahr 2024 dürfte die Kurzarbeiterzahl verglichen mit dem Niveau von vor der Corona-Krise noch etwas erhöht sein. Das im Vorjahr signifikant zurückgegangene Ausfallvolumen aufgrund von Kurzarbeit ist wieder leicht angestiegen und liegt dieses Jahr voraussichtlich bei 118 Mio. Stunden.
  • Die Urlaubs- und sonstigen Freistellungstage werden laut Prognose der Wissenschaftler im Jahr 2024 mit durchschnittlich 31,0 Tagen weiter auf dem Niveau von vor der Pandemie liegen. Der tarifliche Regelurlaub bleibt mit 29,6 Tagen voraussichtlich auch im Jahr 2024 auf dem Niveau der Vorjahre.
  • Im Jahr 2023 erreichte der Krankenstand einen Rekordwert von 6,1 Prozent. Dies ist auf die hohe Zahl von Atemwegsinfektionen und Erkältungskrankheiten, die vor allem mit Nachholeffekten im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie zu erklären sind. Die Experten gehen für das Jahr 2024 von einem Rückgang des Krankenstands auf 5,6 Prozent aus und erwarten durchschnittlich 14 Krankentage pro Beschäftigten pro Jahr. Dabei ist davon auszugehen sei, dass der Krankenstand weiterhin von den Nachwirkungen der Pandemie sowie von der Zunahme von Infektionen geprägt sein wird.

Bewertung der BDA: Die Auswertungen bzw. Prognosen des IAB zeigen deutlich, dass sich das Arbeitszeitvolumen langsam wieder in Richtung Vorkrisenniveau bewegt. In Zeiten von wirtschaftlicher Stagnation sowie Fach- und Arbeitskräftemangel, kommen daher Diskussionen zu Arbeitszeitverkürzungen, wie eine generelle 4-Tage-Woche, zur Unzeit. Stattdessen brauchen Betriebe und Beschäftigte gleichermaßen mehr Arbeitszeitflexibilität in Form eines zeitgemäßen Arbeitszeitgesetzes mit einer Wochenhöchstarbeitszeit. Aktuelle politische Forderungen zur steuerlichen Privilegierung von Überstunden sind dabei ein richtiges Signal, um die Diskussion auch auf Anreize zur notwendigen Ausweitung des Arbeitsvolumens zu lenken. Dies kann aber auf dem Weg zur dringend erforderlichen Reduzierung der Abgabenlast für den Faktor Arbeit nur ein erster Schritt sein.

 

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