Die Sommerprognosen der großen Wirtschaftsforschungsinstitute zeichnen ein einheitliches Bild: Deutschland bleibt auch nach mehreren Jahren wirtschaftlicher Schwäche auf einem sehr niedrigen Wachstumspfad nahe der Stagnation. Die Forschungsinstitute, die Bundesregierung und die Bundesbank prognostizieren für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2026 im Median ein Wachstum von 0,6 %. Die Verbraucherpreisinflation für 2026 wird im Median auf 2,85 % geschätzt. Das Wachstum der Arbeitsproduktivität im Jahr 2026 soll über alle Wirtschaftsbereiche hinweg im Median bei 0,5 % liegen.
Im Überblick:
Aktuelle Prognosen für 2026 und 2027:
Die Sommerprognosen rechnen mit einer Veränderung des Bruttoinlandsprodukts für 2026 von 0,4 % (IW Köln und BDI) bis maximal 0,9 % (IWH). Der Median, der alle Prognosen umfasst, liegt bei 0,6 %. Die Aussichten für 2027 sind mit 0,9 % nur minimal besser. Die Prognosen der Institutionen für 2027 reichen von 0,8 % (DIW, ifo, RWI, SVR, Bundesbank) bis 1,3 % (HWWI).
Die Verbraucherpreise im Jahr 2026 sollen im Median um 2,85 % steigen. Für das Folgejahr 2027 wird ein Anstieg im Median von 2,7 % prognostiziert.
Die Produktivitätsentwicklung gemessen am BIP je Erwerbstätigenstunde soll im Median im laufenden Jahr 2026 um 0,5 % und in 2027 um 0,8 % steigen.
Entwicklung weiterer volkswirtschaftlicher Indikatoren:
Das IAB-Arbeitsmarktbarometer stieg zuletzt leicht auf 99,6 Punkte und liegt damit weiterhin knapp unter der neutralen Marke von 100. Ein Beschäftigungswachstum wird für 2026 nicht erwartet.
Die Exporterwartungen des Verarbeitenden Gewerbes haben sich im Juni 2026 leicht verbessert, befinden sich aber weiterhin im negativen Bereich.
Das ifo Geschäftsklima zeigt weiterhin leicht verschlechterte Geschäftserwartungen. ▪ Die Zahl der Insolvenzen ist im Vergleich zu den Vormonaten im Mai wieder merklich zurückgegangen.
Die Tarif- und Bruttostundenverdienste steigen weiterhin leicht an, für Juli wird ein schlechtes Konsumklima bei -29,2 Punkten erwartet.
Hintergrund:
Die wirtschaftliche Stabilisierung wird derzeit vor allem von staatlichen Ausgabenprogrammen getragen. Öffentliche Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung geben die wichtigsten Wachstumsimpulse. Die Investitionsdynamik fällt deutlich schwächer aus als in früheren Erholungsphasen. Die wirtschaftliche Entwicklung bleibt von erheblichen Unsicherheiten geprägt. Eine anhaltende Eskalation der Konflikte im Nahen Osten und dauerhaft hohe Energiepreise bremsen eine Erholung, während ein nachhaltiges Friedensabkommen und sinkende Energiepreise die Chancen auf einen konjunkturellen Aufschwung erhöhen. Risiken bestehen zudem in einer Abschwächung des aktuellen technologiegetriebenen Investitionsschubs bezüglich KI-Innovationen.