Pressebericht zur Jahresveranstaltung des AGV Harz e.V. am 2. März 2010

"Man muss konsequent bleiben, nicht immer gleich einknicken": Ehrengast Dirk Roßmann beim Jahresauftakt des Arbeitgeberverbandes in der Kaiserpfalz Goslar. Foto: Schenk

Goslarsche Zeitung - 25. März 2011

Roßmann Eine Erfolgsgeschichte

Vor 450 Gästen plauderte der Drogerie-Unternehmer Dirk Roßmann am Dienstag in der Kaiserpfalz Goslar auf Einladung des Allgemeinen Arbeitgeberverbandes Harz über seinen Werdegang und den Erfolg seines Unternehmens. Ernste Töne fanden AGV-Vorsitzender Torsten Janßen und Goslars Oberbürgermeister Henning Binnewies. Sie kritisierten die Fördermittelpolitik des Landes Niedersachsen.

Hartnäckig und zugleich entspannt

Von Oliver Stade

Im Alter von zwölf Jahren verdiente er mit dem Verkauf von Drogeriewaren in der Nachbarschaft 5000 DM pro Monat, mit 14 lernte er Drogist, und mit 16 reichte der Verdienst für eine Eigentumswohnung: der Unternehmer Dirk Roßmann war schon früh geschäftstüchtig und erfolgreich. Nach Aufhebung der Preisbindung erkannte er, "dass die Kosten niedrig bleiben müssen" und der Kunde nach Qualität verlange. 1972 eröffnete er in Hannover den ersten Drogerie-Discounter im Land - ein neues Geschäftsmodell.
Das allein genügt nicht, um ein Großunternehmen mit 1500 Filialen und 20000 Beschäftigten in Deutschland aufzubauen. Frühstarter Roßmann las mit 15 Jahren Schopenhauers philosophisches Hauptwerk "Die Welt als Wille und Vorstellung". Weil er, bei dem es "für die mittlere Reife nicht reichte", das komplexe Werk nicht auf Anhieb durchdrang, nahm er ein Lexikon zu Hilfe, um sich das Buch in jahrelanger Lektüre zu erarbeiten.

Mit List und Tücke

Kein Wunder, dass er "Hartnäckigkeit" als eines der Geheimnisse seines Erfolgs benannte. "Man muss konsequent bleiben, nicht immer gleich einknicken", sagte der gleichwohl äußerst entspannt wirkende Unternehmer. Mit Hartnäckigkeit und viel List und Tücke gelang es dem heute 63-Jährigen, der mit 18 die vaterlose Familie ernähren musste, nicht lange bei der Bundeswehr zu bleiben. Doch brachte ihm dies einen Aufenthalt in einer Nervenklinik ein.

Anekdotisch schilderte Roßmann seinen Werdegang und die rasante Entwicklung der Drogeriekette, die hinter Schlecker und dm bundesweit auf Rang drei liegt. Mancher mag gerätselt haben, wie viel Pose hinter dem zuweilen unstrukturiert wirkenden, aber höchst unterhaltsamen Vortrag steckte. Die 35 mit Stichworten beschriebenen Karteikarten blieben links liegen. Und so bemerkte Roßmann irgendwann: "Was soll ich ihnen noch sagen?"

Übrigens, nach Goslar existieren familiäre Band. Roßmanns ältester Sohn lebt mit einer Goslarerin zusammen, seit Kurzem ist der Unternehmer Großvater. Mit seiner unkonventionellen Art erscheint er zuweilen wie ein Gegenentwurf zu einer Führungskräftegeneration, die meint, stets online sein zu müssen. "Ich habe noch nie eine E-Mail geschrieben", behauptete er.

Respektvoller Umgang

Mit Preisen geehrt wurde der Drogerie-Millionär für seinen wirtschaftlichen Erfolg und sein soziales Engagement. Roßmann gründete eine Stiftung gegen das Bevölkerungswachstum, mit seinen Beschäftigten unternimmt er Reisen, und im eigenen Seminarzentrum werden auch Selbsterfahrungskurse angeboten. Eine Unternehmensphilosophie gibt es nicht. Angesichts des viel diskutierten miesen Arbeitsklimas im Goslarer Rathaus mag es manchen im Saal in den Ohren geklingelt haben, als er sagte, man müsse mit "Achtsamkeit und Respekt" miteinander umgehen.

 

"Das ist wirklich schlimm"

Auch Arbeitgeber rügen Fördermittelpraxis

GOSLAR. Nach Einschätzung von Torsten Janßen bleibt die wirtschaftliche Lage schwierig. Der am Dienstag in seinem Amt als Vorsitzender des Allgemeinen Arbeitgeberverbands (AGV) bestätigte Banker rechnet daher mit einem Anstieg der Kündigungen in der Region.

"Aller Voraussicht nach wird sich der Arbeitsmarkt 2010 nicht stabil zeigen", sagte Janßen. Viele Unternehmen könnten sich weitere Kurzarbeit finanziell nicht erlauben. Der AGV betreut Unternehmen in den Landkreisen Goslar und Harz.

Mit deutlichen Worten kritisierte Janßen, hauptberuflich Vorstand der Volksbank im Harz, die Förderpolitik des Landes. Wie berichtet, hat Niedersachsen die Mittel aus dem Topf Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW) dieses Jahr deutlich gekürzt. Viele Bewerbungen aus dem vorigen Jahr kamen nicht zum Zuge. "Das ist wirklich schlimm", sagte Janßen. Er sieht die Planungs- und Investitionssicherheit vieler Unternehmen gefährdet und sprach von "großen Problemen". Investitionen würden ins Stocken geraten. Ähnlich äußerte sich Goslars Oberbürgermeister Henning Binnewies. Von 85 Millionen Euro Investitionen hätten nur 27 Millionen bedient werden können. Er sei hoffnungsfroh, bei einem Gespräch mit der Landesregierung ein offenes Ohr zu finden.

oli


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